Nein, ich bin keine perfekte Mutter. Ich bin nicht als
Mutter geboren und habe so meine Schwierigkeiten, mich in dieser Rolle
zurechtzufinden, obwohl es schon 17 Jahre her ist, dass ich diesen Titel
erworben habe, doch immer wieder muss ich mir eingestehen, dass tief in mir,
ein Krieg stattfindet zwischen dem, was sein sollte und dem, was es tatsächlich
ist.
Wer einer Mutter Vorwürfe macht, sie erziehe ihre Kinder
nicht richtig, hat entweder keine Kinder oder keine Erinnerungen. Mutter zu
sein ist schwierig, mühsam und erschöpfend.
Nicht dass ich denke, es hätte keine positiven Aspekte. Im Gegenteil:
Mutter zu sein ist gewiss eine schöne Sache, wenn Frau bereit ist, über ihre
eigenen Grenzen zu gehen, sich in den Schatten des Alltags zu stellen. Doch
nicht immer ist es eine schmerzfreie Angelegenheit, über den Zaun zu springen
und es besteht durchhaus die Gefahr, sich dabei das Genick zu brechen oder sich
ernsthaft zu verletzen. Das wäre, würden viele meinen, nicht weiter so schlimm,
wenn dadurch das Wohl des Nachwuchses versichert ist. Und genau darum geht
es: Bin ich bereit mich bedingungslos für das Wohlbefinden meine Kinder zu
opfern? Wie weit geht die Pflicht, aufs eigene Wohlbefinden und
Selbstverwirklichung zugunsten des eigenen Fleisch und Blutes zu verzichten?
Und wehe Frau nicht mit einem „Bis zu Unendlichkeit und noch viel
weiter“ antwortet! Dann, wird sie zweifellos als „Rabenmutter“, „egoistisch“
und schlechthin als „böse“ beschimpft.
Aber seien wir mal ehrlich: waren wir Mütter auch nicht einmal
einfach nur Frauen? Menschen, die eigene Träume haben und von den Gezeiten des
Lebens auch hin und her gezerrt werden? Individuen, die nicht vollkommen sind
und das Recht haben Fehler zu machen und aus diesen zu lernen? Wenn doch, warum
werden wir ständig unter die Lupe genommen, kritisiert, belehrt? Sind wir ja
auch nicht nur Menschen, die auf dem Lebensweg stolpern, manchmal hinfallen und
sich wieder aufrappeln?
Keiner hat mich beigebracht, eine Mutter zu sein. Ich gebe
mir Mühe, aber sobald ich diesbezüglich festen Boden unter den Füssen spüre, wendet sich das Blatt erneut und das, was sich für ein zehnjähriges Kind als
richtige Maßnahme erweist, verliert im Handumdrehen seine Wirkung und Frau muss
sich wieder neue gerechte und kluge Strategien einfallen lassen und hoffen,
ihren Nachwuchs und die Gesellschaft damit zufriedenzustellen.
Kinder sind ein Segen, aber sie sind auch nicht ohne, vor
allem in einer Welt, die nicht sonderlich einfühlsam auf die Bedürfnisse der
Frauen eingeht, die sie tagtäglich auf die Probe stellt und sie leichtsinnig
beurteilt, die sie voller Skepsis
anguckt, wenn im Lebenslauf eine lange Arbeitspause wie eine Fleischwunde
klafft. Nein es ist keine leichte Aufgabe, den Schein der Perfektion zu
bewahren, wo wir Menschen von Natur aus, imperfekt sind.